Reparatur

Reparatur als Schlüssel zur Ressourcenschonung gewinnt in der heutigen Zeit an immer größerer Bedeutung. In einer Welt, in der die Wegwerfkultur und der rasche Konsum von Gütern vorherrschen, stellt die Wiederherstellung und Instandsetzung von Produkten eine wesentliche Säule nachhaltigen Handelns dar. Durch die Fokussierung auf Reparaturen wird nicht nur die Lebensdauer von Produkten verlängert, sondern auch die Notwendigkeit der Neuproduktion und damit verbundener Ressourcenverbrauch und Abfallproduktion signifikant reduziert. Im Rahmen des SINA-Vorhabens wird die Rolle der Reparatur in der Schaffung einer nachhaltigen und ressourceneffizienten Zukunft besonders hervorgehoben, indem innovative Lösungen und Strategien zur Förderung von Reparaturdienstleistungen und –netzwerken untersucht und entwickelt werden. 

Soziale Innovationen im Bereich der Reparatur

Am Donnerstag, den 22. Februar 2024, führten wir den 6. Online-Workshop im Rahmen des SINA-Vorhabensdurch. Diesmal ging es um das Thema „Soziale Innovationen im Bereich der Reparatur“. Wie die vorangegangenen Workshops zu den Themen „Finanzierung und Förderung“, „Wirkungsmanagement“, „politische und rechtliche Weichenstellungen für Soziale Innovationen im ökologischen Bereich“, „Teilen & Tauschen“ und „Abfallvermeidung“, zielte auch dieser Workshop darauf ab, erste Handlungsempfehlungen zur politischen Förderung und Unterstützung von Sozialen Innovationen im Bereich der Reparatur zu entwickeln.

Wir hatten im Rahmen des Workshops zunächst die Freude, dass Sören Brosch vom Yunus Environment Hub und Leonard Nima vom Studio Nima den Workshop moderierten. Spannenden Input bot Prof. Dr. Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, der in seinem Vortrag „Reparatur – ein Thema zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ Einblicke in die Praxis und Theorie der Reparaturkultur gab.

Die Teilnehmenden diskutierten anschließend in intensiven Sessions auf der interaktiven Plattform Miro über Handlungsoptionen in verschiedenen Potentialfeldern:

  1. Finanzielle Anreize und Entlastungen: Soziale Innovationen im Reparatursektor benötigen tragfähige Finanzierungsmodelle, die nachhaltig und wirtschaftlich sind. Reparaturbonusprogramme schaffen Anreize für Verbraucher*innen, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, anstatt sie zu ersetzen. Diese Programme fördern die Reparaturkultur und stärken den Sektor. In Thüringen und Sachsen führte das Reparaturbonusprogramm zu über 11.000 Reparaturen in einem Jahr. Schweden fördert Reparaturen durch einen ermäßigten Steuersatz.
  2. Vergrößerung des Pools an Expert*innen: Der Ausbau des Reparatursektors erfordert mehr Fachwissen und Engagement. Lernmöglichkeiten müssen erweitert und strukturiert werden, um die Anzahl qualifizierter Fachkräfte zu erhöhen. Digitale Medien und Open-Knowledge-Formate sind Schlüssel, um technisches Wissen effizient zu verbreiten und junge Menschen für den Sektor zu begeistern. Erfolgsgeschichten motivieren zusätzlich und betonen die Bedeutung von Reparaturen für die Nachhaltigkeit.
  3. Kommunikationskampagnen: Effektive Kommunikationskampagnen sind entscheidend, um das Bewusstsein für Soziale Innovationen zu steigern und Verhaltensänderungen zu fördern. Soziale Innovationen müssen oft erhebliche Ressourcen in Kundenakquise und -bindung investieren. Öffentlichkeitsarbeit kann die Wettbewerbsfähigkeit von Sozialen Innovationen steigern und das Verbraucherbewusstsein für Reparaturdienstleistungen stärken.
  4. Öffentlich-Private Partnerschaften: Kooperationen zwischen Sozialen Innovationen, Schulen, Universitäten und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen fördern das Bewusstsein und die Teilnahme jüngerer Bürger*innen an Reparaturen. Reparatur als Community-Aktivität profitiert von Organisationen, in denen Individuen kollaborieren. Partnerschaften mit dem privaten Sektor, beispielsweise im Textilbereich, zeigen erfolgreiche Modelle für Reparatur-Partnerschaften. Öffentliche Räume können Träger*innen Sozialer Innovationen helfen, ihr Angebot zu erweitern. Maßnahmen wie Repair Days und das Konzept der „Reparaturstadt“ erhöhen die Bekanntheit der Angebote.

Neben den Mitgliedern des SINA-Beirats kamen Fachexpert*innen und Praxispartner*innen zusammen, um diese Themen gemeinsam mit unserem SINA-Projektteam zu diskutieren und zu analysieren. Die Erkenntnisse aus diesem Austausch werden im Nachgang an den Workshop weiter ausgearbeitet und validiert und in Form eines Policy Papers an politische Entscheidungsträger*innen weitergegeben.

Dank an die Beitragenden

Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmer*innen für den inspirierenden und produktiven Workshop:

Manuel Häußermann (iFIXIT), Peter Schmöger (Repair Bonus Thüringen), Benjamin Heinemann (Repair Café Gotha), Sebastian Daus (Fix First), Ina Schulze (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt), Stefan Ebelt (Re-Use Berlin), Lea Gimpel (Open-Hardware Allianz), Axel Kaiser (Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.), Jessamine Davis (SEND e.V.), Joachim Rock (Paritätischer Wohlfahrtsverband – Bundesverband Kommunale Sozialpolitik), Janina Klose (Technische Universität Berlin), Heinrich Jung (Blitzblume / Runder Tisch Reparatur), Katharina Dutz (Universität Oldenburg), Patrick Hasenkamp (Abfallwirtschaftsbetriebe Münster), Reinhard Barnewold (Reparaturcafé Mariendorf), Sabine Huck (BMUV), Britta Eppinger (BolsosBerlin), Marianne Magnus-Melgar (CSCP) und Henning Wilts (Wuppertal Institut).